Unser Rusty, ein Mitbringsel unseres Sohnes von seinem Arbeitsausenthalt im Jahre 2000 in Griechenland war im betagten Alter von fast 16 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls im Herbst 2015 verstorben.
Aufgrund einer notwendigen Operation und nachfolgendem Urlaub wurde die Anschaffung eines neuen Vierbeiners zurückgestellt.

Nichtsdestotrotz wurde in den Tageszeitungen immer wieder nach einem neuen Hund aus dem Tierheim gesucht.
Hunde, die sich noch in der Pflegestelle im Ausland befanden und erst nach Adoption nach Deutschland geschickt wurden, kamen nicht in Frage. Bei uns gab es genug Hunde in den Tierheimen.
Ein Welpe sollte es auch nicht mehr sein. Aber viele der älteren Hunde erfüllten eben nicht die gewünschten Voraussetzungen. Es waren schöne Vierbeiner dabei, aber der eine war mit anderen Hunden unverträglich, der nächste wollte keine Kinder und auch keine Katzen, der nächste ging jagen und kein Zaun war ihm hoch genug.
Unseren Franz haben wir schließlich im Sommer 2016 in der Landshuter Tageszeitung entdeckt. Die Umstände sprachen für ihn. Er habe keine Probleme mit anderen Hunden und Katzen, mag Menschen und Kinder und geht gut an der Leine.
Lange haben wir gewartet und immer wieder überlegt, bis wir uns Ende Juli bei der Pflegestelle meldeten und nachfragten, ob der „Schöne Franz“ noch zu haben wäre. Schließlich haben wir einen Termin vereinbart und uns auf den Weg dorthin gemacht.
Etwas schüchtern war er bei unserer ersten Begegnung, durfte aber bald gestreichelt und gekrault werden. Ein erster Spaziergang mit ihm zeigte, dass er angenehm an der Leine ging und nicht zog. Der Franz war es dann. Den Namen bekam er von der Pflegestelle, da sein richtiger spanischer Name für diese nicht aussprechbar war und er neben anderen gerufenen Namen eben erst auf diesen reagierte. Also blieb es dabei, “Franz“.
Mitnehmen durften wir ihn nicht gleich, die Pflegerin wollte sehen wohin er kommt und so machten wir einen Termin für das kommende Wochenende aus. Ist auch richtig so. Da wir mit dem Vorgängerhund und er mit uns fast 16 Jahre
zurechtkamen, wird es mit Franz auch kein Problem geben. Unser Umfeld sagte der Pflegerin zu und so blieb er auch bei uns. Jetzt begann die Lernphase, für uns beide und den Franz. Spazierengehen war kein Problem, er war ja anfangs immer an der Leine. Nach mehr als 2 Wochen wurde er erstmals von der Leine gelassen. Er stürmte sofort los, aber nach gut 100 m stoppte er und kam auch wieder zurück. Wiederholt wurde er beim Spazierengehen von der
Leine gelassen, er trottete aber immer hinterher und trat einem fast den Absatz herunter. Erst langsam gewöhnte er sich daran, auch voraus zu laufen.
Die Hundebefehle waren ihm nicht leicht beizubringen. Manchmal mag er eben nicht und wir zweifelten manchmal daran, keinen Hund aus Spanien sondern eine sturen Esel bekommen zu haben. Aber geduldiges Arbeiten zeigte doch den Erfolg. Sitz, Platz, Pfote klappen immer, aber er bleibt nicht dort, wo er sitzen bleiben soll, sondern kommt gleich zur Bezugsperson. Die ist halt das Frauchen, der Futtergeber.
Und fressen könnte er immer. Gelegentlich gibt es von ihr auch mehr als die Tagesration. Der Labrador in ihm ist nicht zu übersehen. Er kommt zwar beim Essen gelegentlich zum Tisch, bettelt aber nicht. Er weiß, dass er hier nichts bekommt.

Nachforschungen im Internet ließen darauf schließen, dass er ein Mix mit einer auf den Kanaren vorkommenden neuen Hunderasse ist. Der Bardino ist ein Hütehund und wird gerade auf Lanzarote auch als Wach-, Begleit- und Familienhund gehalten. https://www.bardino.de Er hat wie bei dem Bardino beschrieben eine doppelte Wolfskralle an den Sprunggelenken. Auch ist die Stromung ist der dem Bardino vergleichbar.
Autofahren hat er mittlerweile auch gelernt. Anfangs mochte er überhaupt nicht in seine Hundebox im Kofferraum des Pkw. Da halfen auch keine Guttis. Mittlerweile klappt es besser. Er springt aber meist nur angeleint ins Auto, bleibt aber auch darin sitzen, bis er nach Aufforderung wieder heraus darf.
Was er absolut nicht mag, wenn ein Fahrzeug mit Anhänger oder ein Zweirad vorbeifährt. Da wird er fuchsteufelswild und ist kaum zu halten. Das hängt sicherlich mit seiner Vorgeschichte zusammen, die wir aber nicht kennen.
Mit dem Wohnmobil reisen mag er mehr. Da geht er auch ohne Leine rein. Unter dem Tisch hat er sein Bett, wo er mit Geschirr angeleint während der Fahrt liegt. Er ist mit dem Wohnmobil natürlich überall mit dabei, bleibt aber wenn’s sein muss, auch mal allein drin ohne zu jammern oder etwas zu zerlegen. Bei uns hat er außer seiner Heimat Spanien schon fast alle Mitteleuropäischen Länder gesehen, sei es Italien im Süden oder Norwegen und Schweden im Norden.
Was natürlich in ihm steckt ist der Jäger. Die erste Jagd unternahm er am Chiemsee, wo sich ein Blesshuhn traute, in seiner Nähe zu schwimmen. Obwohl er vorher nur bis zum Bauch ins Wasser ging, schwamm er lange hinter der vermeintlichen Beute hinterher, die zum Glück irgendwann wieder Richtung Ufer schwamm. Dann kam er beim Schwimmen immer an die lange Leine. Nur einmal war er wieder mal weg. Er zog es vor während eines Spaziergangs an der Loire Möwen zu verfolgen. Die Strömung trieb ihn aber schnell ab und er konnte erschöpft in Begleitung von 2 vorausschwimmenden Schwänen das Ufer erreichen.
Dieses Jahr hat er schließlich Freude am Wasser gefunden und schwimmt meist in unserer Nähe. Stöckchen, oder am liebsten Tannenzapfen, bringt er auch im tieferen Wasser schnell wieder zurück. Seine Pfoten haben richtige Schwimmhäute zwischen den Zehen.
Wenn unser Sohn mit der Enkelin zu Besuch kommt, begrüßt er sie recht freundlich und lässt auch mit sich vieles geschehen. Was er aber nicht darf, ist es sich auf der Couch gemütlich zu machen oder gar ins Bett zu schlüpfen. Aber was er sich erlaubt ist, uns schon in aller Früh zu wecken. Das ist scheinbar die Gewohnheit, dass er um 6°° Uhr morgens im Tierheim sein Futter bekam. Mittlerweile können wir seinen morgendlichen Essensdrang bis nach 7³° Uhr hinauszögern. Zeitumstellung kennt er natürlich nicht, er hat halt seine innere Uhr.
Zum Gassi gehen ist er immer bereit. Ein kurzes Schütteln seines abgelegten Halsbandes mit den Hundemarken dran lässt ihn schnell an die Tür kommen. Wir glauben, dass wir mit ihm den richtigen Griff gemacht haben. Er hat scheinbar über Jahre auf uns gewartet, um einen geruhsamen, aber doch erlebnisreichen Lebensabend mit uns verbringen zu können.
Da wir viel mit dem Wohnmobil unternehmen wird sich sicherlich die Möglichkeit ergeben, mit ihm seinen Herkunftsort in Spanien zu besuchen. Dort bleibt bleiben darf er sicher nicht.

 

 

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