Usi

Usi, kroatisch für Öhrchen, fiel uns gleich bei unserer Ankunft am Campingplatz auf. Sie ist eine kleine schwarze Hündin mit süßen Ohren, die sich aufstellen, wenn der Wind bläst. Als wir sie das erste Mal sahen, war sie mit einem kleinen Rüden unterwegs. Am nächsten Tag kam nur noch sie.

In Kroatien trifft man an jeder Ecke einen Straßenhund. Doch Usi hat uns von Anfang an berührt. Sie ist sehr scheu, kein Wunder, denn ihr fehlt der rechte Hinterfuß, vermutlich ein Opfer einer Tierfalle oder einer Sense. Wie wir später erfahren haben, wurde sie ausgesetzt - und musste dann alleine zurecht kommen.

Was kann "man" normalerweise in so einem Fall tun – außer vielleicht artgerechtes Futter hinstellen? Nicht viel. Doch als Mitglieder vom TSV Hund und Katz geht natürlich mehr :) – zumal ich wusste, dass unser Verein Kontakt zu Tierschützern in Zagreb hat. Nach mehreren Telefonaten mit dem Verein war klar, Usi kann ins Tierheim Zagreb, wird dort tierärztlich durchgecheckt und kann dann auf eine private Pflegestelle. Jetzt blieb nur noch eine Herausforderung: einfangen.

Wir spendierten unsere besten Hundefutterdosen und die getrockneten Euterstücke (ein Leckerbissen, dem eigentlich kein Hund widerstehen kann), doch Usi blieb auf Abstand. Sie fraß, was wir ihr hinstellten, doch anfassen, um ein Seil oder eine Leine anlegen, ging gar nicht. Also dachten wir uns einen neuen Plan aus: Wie wäre es mit einer Falle? Die Sanitäranlagen des Campingplatzes schienen wie gemacht dafür – und so organisierten wir ein 50 Meter Seil, banden es an die Klinke der offenen Tür und legten uns im Abstand von 15-20 Metern auf die Lauer. Das bekannte Hundefutter und die geliebten Euterstücke waren natürlich im Inneren des Gebäudes drapiert. Mit einigen Stücken auf der Türschwelle versuchten wir, sie zu locken.

Doch Usi war schlau. Sie witterte die Falle, fraß immer nur die Häppchen und versteckte sich wieder. Es dauerte einen ganzen Nachmittag, unterbrochen von Gewitter und Regenschauern, bis Usi – mittlerweile doch hungriger geworden – sich in die Höhle des Löwen wagte. Zunächst nur schrittchenweise, sodass nicht klar war, ob sie schon weit genug drin war, um die Türe mit dem Seil zuzuziehen. Sie nahm ein Häppchen aus dem vorbereiteten Napf, lief wieder raus, nahm noch eins, usw. - und beim 4. Mal fassten wir uns ein Herz und zogen die Tür mit einem Ruck zu. Geschafft.

Vorsichtig öffneten wir die Tür. Usi saß im hintersten Winkel, völlig eingeschüchtert und verängstigt. Kein Wunder, sie muss Schlimmes mit Menschen erlebt haben. Vor Hunden hat sie weniger Angst. Ich nahm sie auf den Arm, band ihr ein Halsband und eine zusätzliche Bauchsicherung um, die wir sicherheitshalber an unserem Gürtel befestigten – und nahmen sie mit in unseren Van. Dort schlief sie eine Nacht. Am nächsten Morgen fuhren wir sie nach Zagreb.

Eigentlich schien damit alles erledigt, doch Usi bescherte uns eine Fortsetzung: Sie hatte – lt. Tierarzt – nämlich vor nicht allzu langer Zeit Welpen geboren. Keine Frage, dass wir unserer Maus helfen würden. Wir luden sie wieder ein, fuhren zurück – und machten uns einen Abend und einen Vormittag lang auf die Suche, leider ohne Erfolg. Auch Usi konnte oder wollte uns nicht zu ihren Kleinen führen. Mittlerweile waren wir Dorfgespräch – und einige nette, deutsch sprechende Anwohner berichteten, dass sie tatsächlich Welpengeschrei gehört hatten. Doch da unsere Suche erfolglos war, fuhren wir zurück nach Zagreb. Fast dort angekommen, kam dann die ersehnte SMS: Ein Junges gefunden. Wir wendeten, fuhren erneut in das Dorf und holten den kleinen, doch recht strammen Baby-Rüden ab, der seiner Mutter wie aus dem Gesicht geschnitten war – zumindest was die Ohren anging ;-)

Was wir dann erleben durften, hat uns darin bestärkt, dass wir das Richtige getan haben: Das Wiedersehen, das erste Mal wieder an den Zitzen der Mutter saugen, das verzweifelte Rufen, wenn die Mutter gerade mal "Gassi" war. Wunderschön. Wir hoffen, Usi weiterzusehen – oder ihr ein neues Zuhause vermitteln zu können, ebenso ihrem kleinen Sohn.

 

 

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