Wir haben am Samstag in Ilsenburg auf einem schicken Wohnmobilstellplatz mit unserem Pseudo-Camper unser Basislager für den Aufstieg zu den Ilsefällen aufgeschlagen. Bevor wir am nächsten Tag in die Hölle starten, wollten wir uns von der Kondition unserer pelzigen Begleiter überzeugen. Also los zu einer kleinen Runde. Wir hatten ja Bedenken, dass Maja mit ihrer Arthrose Probleme bekommen würde, aber weit gefehlt.

In der Blüte ihrer Läufigkeit (passt ja natürlich wieder, genau zum Urlaub) zerrte sie wie eine Gartenfräse durch den Harz (natürlich nicht ohne die 50m-Stopps zum Pipimachen zu vergessen, damit auch jeder noch so dämliche Rüde weiß, wo sie ist). Zwischendurch gab es auch mal eine kleine Abkühlung in der Ilse. Yusep kühlte sich nur die Füße, Luna den Bauch und der dicke Eisbär musste ja wieder unbedingt schwimmen. Auf gut der halben Strecke der Tour vom nächsten Tag drehten wir um, um Maja nicht allzu sehr zu schaffen. Diese allerdings fräste munter weiter und mittlerweile hatte Yusep an ihrem Tempo gefallen gefunden und ich wünschte mir heimlich so ein Hundeschlitten-Sommergefährt herbei. Andrea schlurfte mit Luna, deren Blick eindeutig zeigte, dass sie es alles andere als toll fand hier durch den Wald laufen zu müssen, gemütlich hinterher. Wieder im Basislager zurück, fanden wir, dass unser Team bestens gerüstet war. Nachdem sie ihren imaginären Hasen hinter geschlungen hatten, wollte ich sie an die Laufleinen legen, dass sie mehr Bewegungsfreiheit haben, aber nicht den ganzen Camperplatz erobern können. Andrea fiel zu dem Zeitpunkt ein, dass sie mal zur Toilette müsste und ein älteres Paar hatte bereits angesichts des großen Kinos, welches sie erwartete, ihre Stühle zu uns ausgerichtet, und saßen fachsimpelnd unter der Heckklappe ihres T5. Ich also ran, die Souveränität in Person. Erst Maja, dann Yusep, er um Maja, während ich Luna festmachen. Maja unter Yusep durch und er noch mal drumrum . So saßen sie, Yusep ein Hinterlauf am Ohr, Maja die Beine zusammengebunden. Ich hin, Luna um uns drum, zwischen Maja und Yusep durch und nochmal um mich, bis die Leine zu Ende war. So standen wir und überlegten. Ich drei Köpfe (und einen Hinterlauf) an den Beinen hatte mittlerweile das Gleichgewicht verloren und spielte mit den Hunden Twister. Vom Nachbarplatz kam schallendes Gelächter - na toll. Irgendwie schaffte ich es aber, einen nach dem anderen los zu machen und separat wieder fest zu machen. Diesmal aber an unterschiedliche Befestigungspunkte. Gerade geschafft, kam Andrea um die Ecke, streichelte lieb guckender Luna über den Kopf und fragte, warum die Nachbarn so lachen. Ich: keine Ahnung - freuen sich vielleicht, sehen sicher nicht alle Tage so ein perfektes Rudel.

Die Nacht verlief komischerweise ohne Zwischenfälle. Alle legten sich auf ihren Platz, unter uns pupste es ein zwei Mal und dann war Ruhe. Morgens, in Erwartung aller Rüden der Region vor unserem Camper, schob ich erst einmal vorsichtig den Vorhang zu Seite. Nichts, Glück gehabt. Also raus zum Gruppenpullern. Nach einem ausgedehnten Frühstück, während dem die Hunde die Sonne genossen, ging es also los, in dem Glauben, dass der gestrige Marsch unsere Hunde in artig dahintrottende Vorzeigevierbeiner verwandelt hatte. Denkste. Maja, Allrad rein, Nase auf den Boden und los... Der meiste Teil der Tour verlief geradezu idyllisch. Ich machte an den schönsten Stellen der Ilsefälle Fotos und Andrea machte in der Zwischenzeit mit den Hunden Rast - bis der Weg eng und matschig wurde. Andrea sah dann plötzlich, als ich wieder hoch zu Weg kam, aus wie ein Tiefbauarbeiter, dem sie die Schippe geklaut hatten. Ich fragenden Blick, sie antwortete auch ohne Worte, mit Seitenblick auf ein paar der Hunde. Als ich das nächste Mal am Fotografieren war, weckten mich die süßen Stimmchen von Luna und Yusep. Keine zwei Sekunden später stand ich neben... einem Bild, was ich irgend wo schon mal gesehen hatte. Andrea saß auf dem schmalen Weg im Matsch, lehnte mit dem Rücken am Hang und war sorgfältig in Leinen verpackt, dicht dabei die Hunde. Ein Rüde wollte vorbei. Unser Teamflittchen machte schöne Augen und die anderen Beiden sagten sicher sowas wie Frechheit oder unser Weg, was auch immer. Der Mann mit dem Rüden wollte am liebsten helfen, konnte aber selbst wegen seiner Testosteronbombe nichts machen. Yusep gelang es dann auch noch, sein Halsband über den Kopf zu ziehen und dann in Richtung des Rüden zu laufen (eher interessiert). Dann geschah es. Ein kurzes Yusep zurück und er machte artig kehrt und kam zu uns. Andrea stand auch wieder und ein kleiner Sonnenstrahl kam hernieder... OK, jetzt wird es kitschig. Die Situation löste sich jedenfalls friedlich auf. Andrea erzählte mir dann, was passierte. Sie machte dem Mann mit dem Rüden Platz auf dem schmalen Weg, dieser wartete so lange, bis sie ein Zeichen gab. Die Hunde waren ruhig und ließen passieren - bis Maja der Meinung war, dass der Kerl gut aussieht und über Luna und Yusep einfach drüber weg sprang. Andrea sah, angesichts der zusammen 150kg an den Leinen, die beim Anziehen in etwa die Kraft eines anfahrenden Golfs aufbringen, keine andere Möglichkeit als die Arschbremse zu ziehen. Luna dachte dadurch, dass Frauchen in Gefahr ist und schlug an, der Azubi natürlich mit. Alles zusammen machte die Aktion chaotisch - und nur weil Maja ihre Hormone nicht im Griff hat. Auf Yusep waren wir dagegen stolz wie Bolle - hat einfach so gehorcht.
Das war aber auch schon die einzige Actionszene des Tages. Der Rückmarsch verlief ohne weitere Zwischenfälle. Maja vorneweg, Yusep dumdidum und Luna, mit der Gesamtsituation eh unzufrieden, hinterher. Maja, also die, um die wir uns Sorgen gemacht hatten, ob sie die Tour schafft, wurde zwar irgendwann langsamer, hielt aber insgesamt tapfer durch. Luna war es dann letztendlich, die zurück fiel und gaaanz gemächlich vor sich hintrottete, natürlich nicht ohne mit ihrem Blick auszudrücken, was sie von der ganzen Aktion hielt. Yusep hätte nochmal gehen können - aber geschlafen hat er dann auch schnell.


Das war es also - ein ganz normales Wochenende mit 3 Hunden auf Tour.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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