Unser Besuch in Spanien vom 15.09.2018 - 22.09.2018
 
Schon früh am Morgen starten wir zum Flughafen und treffen uns in Frankfurt. Nach nicht mal zwei Stunden landen wir schon in Spanien und wenig später sitzen wir in unserem Mietauto. Wo gehts denn hin, fragt uns die freundliche Vermittlerin, wir antworten "Jaca und Villablino" und ernten einen verwirrten Blick. Schmunzelnd erklären wir, das wir dort Freunde besuchen und mit einem fröhlichen "Don't worry! All Included!" werden wir in unser Abenteuer entlassen. Das Auto ist groß und die ersten Witze darüber, wie viele Hunde wir reinbekommen brechen schon los - wir waren anständig und haben unseren Männern keine Überraschung mitgebracht! 
 
Mit einer geballten Frauenpower - an der Zahl sind wir sechs - geht's auch schon von Bilbao los. Zwischen einigen holprigen Abschnitten sehen wir eine Menge an Landschaft, Berge und Hügel so weit das Auge reicht. Schließlich, um genau zu sein drei Stunden später und rund 270 km weiter, erreichen wir Jaca. Bei der Unterkunftssuche hat die Kommunikation auch nicht so gut geklappt. Man muss jetzt wissen, das Jaca quasi ein Ferienort für Spanier ist und das wir nicht viel Auswahl hatten. Eigentlich gar keine. Unsere Unterkunft war eine Herberge für Schüler. Wir hatten alle ein eigenes Zimmer. Zu unserem Amüsment hatte jeder die Auswahl von 6 Betten und zwei Waschbecken. Wir schliefen gut, zu mehr haben wir die Zimmer ohnehin nicht gebraucht. 
 
Schon am ersten Abend genossen wir die Gastfreundschaft von Jaca und fühlten uns richtig wohl in dem verspielten Städtchen mit seinen kleinen Gassen, verschnörkelten Metallbalkonen und den sanften, gelb strahlenden Laternen. Hier haben wir einen richtigen Eindruck von Spanischem Flair bekommen. Das Essen war himmlisch und der Abend lang und so klang der Samstag Abend erst Sonntag Morgen aus und mit viel zu wenig Schlaf aber voller Euphorie starteten wir mit unserem Herberge-Frühstück in einen neuen Tag um das zu sehen, weshalb wir eigentlich hier sind - das alte Tierheim. 
 
Wir hatten nicht weit, konnten das Tierheim sogar von unserer Unterkunft aus sehen. Da wo die Travos stehen und der Strom surrt, da steht das kleine "Gebäude" am Hang. Es ist gar nicht weit zu fahren, aber der Weg ist mehr als Abenteuerlich. Stellt euch einen Käse vor, mit ganz vielen Löchern... und ein Hund hat davon ein paar Ecken abgebissen. Ungefähr so kann man den "Weg" zum Tierheim beschreiben. Büsche... Schlaglöcher... Kurven. Aber hey - Don't Worry! All Included! - Also tasten wir uns vor, bis wir auf dem Weg schon Susana mit Volga entdecken, die uns sicherheitshalber entgegen gekommen ist. Wir unterhalten uns eine Weile und während sich die einen darüber unterhalten, was in den letzten Jahren so passiert ist, sind die anderen ganz aufgeregt und neugierig und kucken sich um. Aber das dauert nicht lange, denn wenn wir schon mal hier sind, schnappen wir uns die Vierbeiner für eine Runde Gassi. Landschaftlich ist es natürlich super, kein Verkehr, Feldwege und Wiesen auf denen Schafe grasen und dafür das September ist haben wir ganz schön Sonne im Nacken! 
 


 
Wir kucken uns das Katzenhaus an, das uns fast entgegenfällt und lassen uns die letzten Insassen vorstellen. Die Wildkatzen werden nach dem Umzug weiter hier Futter und ein Dach über den Kopf finden, solange es eben noch hält. Einen besseren Ort gibt es für diese Katzen nicht und irgendwann werden auch sie Vergangenheit sein und nichts wird mehr an die "schlechten Tage" erinnern. Für den Umzug ist alles bereit. Zufrieden können wir feststellen, das in Jaca durch die Urlaubszeit auch einige Hunde vor Ort vermittelt wurden. Und da wir natürlich auch das neue Tierheim sehen wollen, fällt der Abschied gar nicht so schwer. 
 
Einmal durch die Stadt zum neuen Tierheim und wir sind begeistert, auch wenn es einige Punkte gibt, mit denen man vor Ort noch nicht ganz glücklich ist. Zu niedrige Zwingerwände, zu große Abstände, kein Dachüberstand. Aber es ist wunderschön! Groß, Wettergeschützt, drei Ausläufe für verschiedene Gruppen, eine kleine Praxis, ein Büro, Quarantäne, Sanitäranlage, Katzenhaus mit Außenzwinger, Strom und Wasser. Eine 180 Grad Wendung auf die man in Jaca richtig Stolz sein kann! Alle packen dort mit an und bringen die letzten Arbeiten zum Schluss. Nur noch Kleinigkeiten fehlen. 
 
 
Nachdem wir auch die Umgebung noch etwas erkundet und uns zum Wandern entschlossen haben steht auch schon der Abschied von Jaca an. Noch einmal essen wir in der kleinen heimeligen Stadt auf dem Kirchplatz, lauschen den Glocken und den Lachenden Menschen und verabschieden uns am nächsten Tag auf den Nächsten Abschnitt unserer Reise. Villablino erwartet uns und wir haben einen langen Weg vor uns. 
 
Etwa 600 km weiter und 6 Stunden (sowie 6 Cafe con Leche) später kommen wir in Villablino an. Der Weg dorthin ist weitläufig, wenig besiedelt, ganze Dörfer findet man leer vor. Wir fahren eine Kurvige Straße zwischen den Bergen hindurch. Völlig anders als Jaca präsentiert sich Villablino als Industriestadt die ihre besten Jahre aber schon hinter sich hat. Wie wir im laufe der Tage erfahren liegt das an der hohen Arbeitslosenzahl. Früher gab es hier Kohle, jetzt gibt es fast nichts mehr und die meisten gehen weg, weil sie hier keine Arbeit finden. Ein schwerer Standpunkt der klar zeigt, das in Villablino die größere Not herrscht. 
 
Unsere Unterkunft hier ist aber ein Traum, man kommt sich vor wie in einer kleinen Burg mit den Steinen und dem Holz. Sehr gemütlich und eine absolute Wohlfühlatmosphäre, weit ab der Realität auf der Straße. Am Morgen ist es bitter kalt und erst gegen Mittag kommt die Sonnencreme zum Einsatz. 
Auch hier im Tierheim versuchen wir anzupacken und jeden Hund einmal raus zu holen. Manche entpuppen sich als keine "Lieblinge" und jeder von uns hat sich quasi schon seinen nächsten Pflegehund ausgesucht. Ich glaube für viele stehen die Chancen sehr gut im November auf jeden Fall schon mal nach Deutschland zu kommen! Wir verbringen wundervolle Stunden zwischen Hundehaaren, lautem Gebell, Häufchen und Sabber - der schönste Urlaub aller Zeiten! :)
 
 
 
Am Abend besuchen wir noch Freunde in einem kleinen Dörfchen außerhalb von Villablino. Heimelig auf der Terasse sitzen, gemeinsam Essen, Reden und Lachen und ein Spaziergang im eigenen Weinberg. Schöner kann ein Abend nicht ausklingen! Einige Hunde von hier sehen wir schon in einer Woche wieder. 
 
 
 
Auch in Villablino wollen wir uns die Gegend ansehen. Nachdem wir also nochmal einige Hunde aus ihren Zwingern geholt haben und nochmal eine Runde spazieren gegangen sind mit allen, machen wir uns auf den Weg raus aus der Stadt. Vor allem Mastins möchten wir in Aktion sehen. Eine ganze Weile fahren wir ins Inland. In die Berge hinein um schließlich auch wirklich belohnt zu werden, als eine Schafherde unseren Weg kreuzt. Wie viele Schafe es waren kann ich nicht sagen, aber die ganze Herde wurde begleitet von bestimmt acht Mastinos de los Pirineos. Wir sind verzückt und atemlos und beobachten die Riesen wie sie uns beobachten und langsam der Herde hinterher trotten, uns immer im Auge behaltend. 
 
 
 
In einem kleinen Dorf machen wir Pause. Hier bekommen wir den Grund geliefert, warum wir uns für den Auslandstierschutz einsetzen. Am Ortseingang empfangen uns drei Hütehund-Mischlinge. Sie schlecken über den Asphalt und suchen nach Futter, teilnahmslos lassen sie uns passieren. Nur einer streunt uns hinterher und versucht sein Glück. Er bekommt den Käse ab, der unterwegs schon mehr als durchgekocht worden ist und für ihn scheint Weihnachten zu sein. Verfilzt und verdreckt ist das lange Fell, dürr der kleine Körper und niemand schert sich darum, das er auf der Straße herumläuft und dennoch rennt er mit gespitzten Ohren zurück zu seinem Hof als er das vertraute Motorengeräusch des Traktors hört.

 
 
Unser Rückweg erheitert uns wieder, als wir noch zwei Mastinos bei der Arbeit sehen. In der Abenddämmerung mit Rinder- und Schafherde stellen sie uns am Weidezaun und sagen ganz klar - bis hier hin und nicht weiter. Wir halten uns natürlich daran und kehren zurück in unsere Unterkunft. Nach ein paar Cervezas geht's ab ins Bett, der nächste Tag gehört auch den Hunden in Villablino, den Schlüssel hat man uns für die Hunde anvertraut und wir wollen natürlich weitere Videos und Bilder haben. 
 
Einen Tag vor Abflug gönnen wir uns aber dann doch noch das Meer. Und nach einer kurzen Abkühlung und einem kleinen Menü in der Hafenstadt geht es am Samstag Morgen auch schon wieder zurück nach Bilbao. Unsere Männer und Hunde vermissen uns schon und wir sie auch. Mit vielen Eindrücken, Gedanken und Erinnerungen verlassen wir Spanien und werden sicherlich bald mal wieder zurückkehren. 
 
 
 
Viele Hunde haben wir eine Woche später auf dem Transport wieder gesehen, einige sind dann zu ihren Familien gekommen, andere auf eine Pflegestelle. Es war so großartig zu wissen, das sie eine Zukunft haben, als wir dort vor Ort waren und wir hoffen, das auch jene, die nicht dabei waren, ihre Chance bekommen!

 

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