Ungarnfahrt

vom 11.05.2017 – 13.05.2017

Wir starten zu einer Zeit, zu der die meisten Menschen sich noch einmal im Bett umdrehen. Die Erwartungen von jedem sind verschieden, auch die Beweggründe für die Mitfahrt nach Ungarn kann man nicht in einen Satz packen. Viele im Bekanntenkreis fragten 'Warum schaut man sich DAS an?' und ich konnte nur mit den Schultern zucken, denn wirklich wissen, tat ich es zur Abfahrt noch nicht...

Nach einer schier unendlichen Fahrt und knapp 800 km weiter sind wir dann endlich an unserem Ziel angekommen. Ungarn. Umgeben von der berühmten Puszta, dort wo man Kilometerweit nichts als Landschaft sieht und die idyllische Natur zum Wandern einlädt. Dafür sind wir aber nicht hier. Unser sechsköpfiger Trupp, erschöpft von der langen Reise, trifft sich erst einmal vor Ort mit Familie Biró, dann heißt es die Zimmer beziehen, Etwas essen und Kraft bei guten Gesprächen tanken, denn Tierschutz ist ein Wort, über das man IMMER sprechen kann.

Die Stadt selbst ist wahrscheinlich schön. Im Sinne der Ungarn, weil man sich dort nicht daran stört, wenn säckeweise Müll an Wegen entlang herumliegen, wenn ein Kabelsalat über den Köpfen der Menschen herabhängt und alte Fracks auf verwilderten Grundstücken stehen. Zwischen diesen Grundstücken sehen wir unsere ersten Hunde, manche an Ketten. Anderen geht es besser, aber auch hier würde man in Deutschland wohl den Kopf schütteln über all den Müll in dem die Tiere großteils leben.

Wir starten den zweiten Tag unserer Reise mit schönen Eindrücken bei Brigitta selbst. Die Hunde, die sie bereits gerettet hat und um die sie sich kümmert, begrüßen uns freudig, schwanzwedelnd und bellend. Sie dürfen ihre Zwinger verlassen und können sich auf dem Grundstück frei bewegen. Jeden Tag verbringt Brigitta ihre Freizeit bei den Hunden, säubert die Anlage und die Zwinger, kümmert sich darum das die Tiere etwas anständiges zu fressen bekommen und tierärztlich versorgt werden. Neben einigen älteren Hunden tummelt sich auch ein kleiner Wurf zwischen unseren Füßen. Welpen die Glück hatten in Brigittas Händen zu landen.

Um nach der seelischen Stärkung auch körperlich fit zu bleiben, werden wir anschließend in Brigittas Wohnung eingeladen um ein ausgezeichnetes Ungarisches Mittagessen zu bekommen. Die ersten Fragen werden laut, ob es denn nicht doch möglich ist ein paar Fellnasen mit uns nach Deutschland zu holen, Brigitta ist überrascht, aber sichtlich erfreut.

Es geht weiter in die Tötungsstation. Dort angekommen sind wir erst einmal erleichtert, denn den Hunden dort geht es – den Umständen entsprechend – gut. Die Näpfe sind voll... mit was genau kann man nicht sagen, irgendwelche Essensreste aus einer Kantine. Alle haben ein Dach über den Kopf, wenn auch zum großen Teil die Hitze einem ganz schön in den Nacken knallt und die Luft in den Zwingern selbst unerträglich macht. Die meisten Hunde kommen aus ihrem Unterschlupf um zu sehen, wer da kommt, springen am Gitter herum und bellen aufgeregt. Einige stehen nur da und schauen. Andere bleiben in ihrem Versteck und warten ab.Wir dürfen filmen und fotografieren, denn man hat sich Mühe gegeben die Zwinger sauber zu haben, wenn der Besucht kommt.

Schließlich fällt uns eine Schäferhündin auf die sehr gesittet im Zwinger sitzt und uns charmant die Pfote reicht. Für eine unserer Damen steht fest – die kommt mit! Und wie es der Zufall so will, ist sie auch wirklich Ausreisefertig. Nach kurzem Telefonat nach Hause und dem Versprechen ein paar Salami mit nach Hause zu bringen, darf Cherry Lee – so wurde sie liebevoll getauft, mit uns nach Deutschland reisen. Die Freude bei Brigitta ist groß, sie muss weinen, denn damit hatte sie nun wirklich nicht gerechnet. Neben unserer großen Dame wird entschieden, schließlich auch einen jungen Rüden, wir nennen ihn Sirius, aus Brigittas Hunderudel mitzunehmen. War ja klar, das wir nicht ohne Hund nach Hause kommen. Die beiden suchen nun ein neues Für-Immer-Zuhause in Deutschland.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen wir die Tötungsstation in Kecel, fahren noch ein paar Kilometer weiter zu einer anderen Zwingeranlage, bei der Niemand vorzufinden ist. Deutlich kleinere Zwinger, gefüllt mit Hunden denen Brigitta nicht helfen kann, weil sie bereits am Ende ihrer Kapazitäten ist. Zeitlich und Finanziell kann sie sich nicht noch mehr aufladen. Wir verstehen es, wenn uns der Anblick der Hunde hier auch traurig macht. Irgendwo auf der Rückseite des Grundstückes sitzen zwei tragende Hündinnen, ohne Wasser. Mit ein wenig Einfallsreichtum gelingt es uns eine der Schüsseln an den Zaun zu ziehen und den Tieren Wasser zu geben - wenigstens das können wir heute hier tun .Damit endet unser aufregender Tag.

Am Dritten Tag steht die Verladung unserer beiden Schützlinge an und dann geht es die knapp 800 km wieder zurück in die Heimat. Zwei gerettete Hunde sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber wenn diese Hunde nun nicht mehr verzweifelt durch Gitterstäbe sehen müssen sondern zufrieden mit einem Ball im Maul auf einer Wiese spielen können, war es doch jeden Kilometer dieser Fahrt wert.

Ich für meinen Teil habe auf diesem Ausflug neue Kraft getankt um weiter zu machen, denn ich habe gesehen, warum ich Hundenasen aus dem Ausland hole. Ich muss mich nicht dafür rechtfertigen zu versuchen, die Welt besser zu machen. Wenn es dieses Mal auch nur zwei Hunde waren, kann man sagen, wir haben Leben gerettet. Menschen die Leben retten sind Helden. Und an alle Mitglieder - vor allem die Pflegestellen, die wie ich wahrscheinlich auch immer Menschen gegenüberstehen, die der Meinung sind, nur Deutsche Hunde hätten ein Recht auf ein anständiges Hundeleben - wenn euch ab heute jemand fragt, was ihr so als Hobby macht, dann sagt doch einfach:

Ich bin ein Held!“

Für die Mitglieder des TSV Hund und Katz,

Für die Spanischen Tierheime Villablino und Jaca

und ganz Besonders für Brigitta Biró und ihre Arbeit in Kecel

Danke.

https://youtu.be/X4zLQs-ClJw

 

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